Wie aus dem Märchen: Der gute Patriarch. Der gemäßigte Patriot

Nun wird es auch bei den anderen schnell gehen müssen. Alexander vanderBellen hat seine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten angekündigt. Sein Bewerbungsvideo gibt einen ersten Einblick in das Design der Kampagne. Die Medienmenschen schneidern ihn zum guten Patriarchen und gemäßigten Patrioten.  Eine kurze Analyse.

Nun. Es ist recht offensichtlich. Auch die versteckten Botschaften dieses Videos springen ins Auge. Österreich soll ein neues Oberhaupt bekommen: väterlich, freundlich jovial – das alles mit einem Augenzwinkern.

Szene 1
Es geht die Rampe am Parlament hoch, vdB wird dabei von hinten gefilmt, mit dem Satz „Österreich liegt mir am Herzen“ spricht der Professor gleich mal die emotionale Seite von Politik an. Begleitet wird er von sich langsam steigernder, ruhiger Klaviermusik.
Nach 15 Sekunden sehen wir sein Gesicht, es ist wie immer unrasiert und die Botschaft soll sein:  Achtung: authentisch!
Szene 2
Er steht vor der Tafel der Menschenrechte: „Jeder Mensch hat das Recht in Frieden und Würde zu leben. Menschenrechte, an die glaube ich.“
Erwartbar folgt der bürgerliche Stehsatz, es gibt aber auch Pflichten, den jeder/jede Jugendliche ich weiß nicht wie oft gehört hat: „Ich glaube aber auch an bestimmte Menschenpflichten“ – die stehen aber nicht an der Tafel -, „darauf zu schauen, dass die Menschenrechte auch in Zukunft garantiert sind“. Jedenfalls gibt ihm, in der Erzählung des Videos, diese Tafel (!) den Auftrag zur Kandidatur.
Szene 3
Dann steht der Mann alleine an der Parlamentsfront und weiß nicht so recht, wohin mit seinen Füßen.
Szene 4
Der Mann geht die Rampe hinunter, in die Stadt, zu den Menschen. Damit wird die Erzählstruktur des Videos an die eines Märchens angenähert, deren einzelne Sequenzen Vladimir Propp Narrateme nennt: Der einsame Held erhält seinen Auftrag (Die heilige Tafel) und geht damit hinaus zu den vielen anderen. Dann erlebt er zahlreiche Abenteuer und muss mit bösen Mächten (Adversanten) kämpfen, für die er Helferlein benötigt (das sind die Adjuvanten). Und diese geht er nun, im Video natürlich, suchen.
Szene 5
Er sucht auf den Straßen und auf einem Markt: „Ich möchte sie einladen mitzutun“, glücklicherweise sind die Helferlein bereits da, sie sind zwar seltsam stumm, und Gespräche werden nur imitiert. Lachende, zustimmende Menschen scheinen die Unterstützung für den Helden zu signalisieren. Natürlich braucht es auch lachende Kinder. Die Zukunft. Herrje! Dann sagt die sonore Stimme auch schon: „mitarbeiten an einer hellen Zukunft – aha, die helle Seite der Macht, er ist ein guter Held, ein guter Held! – „in der wir die Ängste und Sorgen, zugegeben, mit Mut und Zuversicht überwinden.“ Ich hätte ja die dunklen Mächte auch gerne kennen gelernt.

Szene 6
Jetzt ist er wieder alleine, im Wald im Herbst. „Lassen sie uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen.“ – wer erkennts? Ja, ein verstecktes Kreisky-Zitat – „lassen sie uns an Österreich glauben“ – hier ein seltsamer Kameraschwenk in den grauen Himmel -„an die Kraft, Schwierigkeiten und Krisen zu meistern.“ Der Sprecher appelliert hier an die gute nationale Vergangenheit: Früher ist uns das noch jedes Mal gelungen.
Szene 7, Achtung: Höhepunkt!
Die Musik steigert sich leicht. Der Sprecher verweist auf die Bundeshymne. „Mutig in die neuen Zeiten!“ Ein nationaler Appell, aber mit einem Lächeln. „Na, gefällt mir!“
Szene 8, Bild wird kurz schwarz, Achtung: Finale!
„Mein Name ist van der Bellen. Ich kandidiere für das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich. Und bitte Sie um ihr Vertrauen und ihre Unterstützung. Danke!“

Den Wahlkampf  um das höchste politische Amt in Form von Narratemen aus den Zaubermärchen zu erzählen (daher der doch optisch nicht besonders ansprechende kahle Wald im Bild), mag medientechnisch gut sein. Immerhin soll es ja um die Person gehen. Die Person ist so wichtig, und es soll keine Person wie du und ich sein. Dass ein Kandidat wie vdB bewusst die populäre Sehnsucht nach einem guten Führer  des Landes füttert, mag ebenfalls medientechnisch gelungen sein. Politisch ist die Botschaft: Ihr wollt also einen guten Patriarchen? Wir geben ihn euch, und einen gemäßigten Patrioten dazu!

Gibt es dazu wirklich keine Alternative?

Nachtrag 10.1.2016: „Ich bin ein liberaler Politiker mit grüner Vergangenheit.“ vdB auf seiner Pressekonferenz.

Fotocredit: Still aus dem Video: https://www.youtube.com/watch?v=ba4jalujuR0

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6 Gedanken zu „Wie aus dem Märchen: Der gute Patriarch. Der gemäßigte Patriot“

      1. Dann fühl dich halt persönlich angesprochen. 🙂 Ich finde das Video nicht so schlecht, zumindest nicht ansatzweise so überzogen dargestellt wie in deinem Text. Man kann manches sicher kritisieren, aber die Botschaft an sich finde ich in Ordnung. Und ja – die Frauen im Video himmeln mir auch zuviel. 😉

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      2. Sollte ich denn als Bundespräsident kandidieren? Ich glaube, dass van der Bellens Einlassungen zu den Flüchtlingen und die strikte Grenze zu sog. Flüchtlingen, die er zieht, meine Analyse bestätigen. Ich habe ja nicht geschrieben, dass er ein rechter Nationalist sei. Sondern dass er die Sehnsucht vieler nach einem vorzegbaren, moderaten Patrioten und gutem Landesvater erfüllen kann. Das ehen übrigens die Jungen Grünen ähnlich. 😉

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  1. glaubt an dieses österreic h – leopold figl , by the way – die letzte einstellung im park – gedreht zwischen allerheiligen und mitte december – und solange hat er drüber nachdenken müssen

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